17.05.2012

Der Traum eines Kochs

Nehmen wir mal an, der beste Koch eines 5 Sterne Restaurants bewirbt sich für den Posten des Chefkochs bei einer Kantine einer Hochschule. Die Gerichte, die er tagtäglich im 5 Sterne Restaurant zelebriert, möchte er gerne auch dort anbieten. Er ist sich ganz sicher, dass alle von ihm überzeugt sein werden, da er Erfahrungen als Koch in einem 5 Sterne Restaurant hat. Ihm wird die Stelle aber nur dann angeboten, wenn der neue Menüplan auch den Studenten gefällt und sie diesen zustimmen. Der neue Koch wird groß angekündigt und in seinem Menüplan, der in der Kantine ausgehängt wird stehen seine Gerichte, die er bald schon präsentieren möchte. Im Menüplan steht auch folgender Satz: "Sie, liebe Studenten werden entscheiden, ob Sie weiterhin dieses Zeug, was sich Essen nennt, in euch stopfen möchtet oder es lieber vorziehen, die Gerichte aus dem 5 Sterne Restaurant zu genießen. Also stimmt für mich, als euer neuer Chefkoch".

Mit dieser Ankündigung hat er gleichzeitig das 5 Sterne Restaurants mit zur Wahl gestellt. Es ist nun klar, das bei Ablehnung des neuen Menüplans, auch das Restaurant implizit schlecht beurteilt wird. Aber es kommt genau dazu, was er sich niemals hätte vorstellen können und schlimmer. Sehr wenige mögen den neuen Menüplan. Den Job als Chefkoch kann er sich erstmal abschminken. Wer war jetzt der Schuldige an dem Debakel? Er selber, oder sein Menüplan?

Erschrocken nimmt er das Ergebnis hin und geht zurück in das Restaurant. Dort erwartet ihn schon sein Chef, um ihn mitzuteilen, dass er nicht mehr für das exklusive Haus arbeiten darf. Alle Kollegen sind verwundert, da er ja als zukünftiger Leiter des Restaurants gehandelt wurde. Ja selbst der Chef hat ihn stets gelobt und ihn als denjenigen eingestuft, der am ehesten die zukünftigen Herausforderungen des Restaurants angehen kann.

Jetzt muss man sich fragen, wieso der Chef sein bestes Stallpferd so eiskalt abservieren lässt. Es könnten viele Gründe sein. Man munkelt, dass es keinen Sinn macht, einen Koch weiter zu beschäftigen, der nicht in der Lage ist, in einer einfachen Kantine einen geeigneten Menüplan zu präsentieren Erwähnen sollte man aber einen ganz interessanten Punkt. Vielleicht möchte sich der Chef so schnell wie möglich von diesem Koch trennen, um ja nicht jemanden die Möglichkeit zu geben, dass man seine Gerichte hinterfragen könnte und die Kollegen vielleicht gegen den Chef  meutern werden. Schließlich waren es auch die Gerichte des Restaurants, die von den Studenten abgelehnt wurden. So kann der Chef sich aus der Schusslinie nehmen und seine eigene Position weiter festigen.

Wieso erzähle ich diese Geschichte? Nun, das ist wohl der Grund dafür, warum unsere Bundeskanzlerin Angela Merkel, wieder mal bereit war, eine politische Karriere zu zerstören, ohne mit der Wimper zu zucken. Jetzt haben wir wieder einen jungen und sehr talentierten Politiker verloren, den man sehr viel zugetraut hat. Tja, viele gute Politiker bleiben nicht mehr übrig, die als Sündenbock für unsere Kanzlerin dienen müssen. Aber sie kann da wohl am wenigsten dafür.